30. Jul 2017

Der Steingarten – Lebensraum für Sonnenfans

Als Steingärten werden spezielle Gartenanlagen oder Gartenteile bezeichnet, welche vorwiegend mit Trockenheit liebenden, sonnenverträglichen Gewächsen bepflanzt werden. Dabei kann es sich auch um ein Alpinum, ein Kiesbeet oder einen Geröllgarten handeln. Je nach vorhandenen Möglichkeiten sind Steingärten eben oder liegen in einer Hanglage. Ein Alpinum hat meistens beide Bedingungen vereint.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Steingärten vor allem in England populär und fanden immer mehr Liebhaber. Seltene Pflanzen aus fernen Gebirgen, aber auch einheimische wie Enzian und Edelweiss zogen in die neuen Refugien ein. Je nach Art der verwendeten Steine, ob kalkhaltig oder aus Urgestein, werden die Pflanzengemeinschaften zusammengestellt. Sie beherbergen vorwiegend Gebirgspflanzen und trockenheitsresistente Gewächse, die beispielsweise auch aus Wüsten der südlichen Erdhalbkugel stammen können.

Ohne Pflanzen geht nix!

Stein- oder Kiesgärten sind aber nicht einfach sterile Steinwüsten ohne Leben. Der besondere Reiz einer solchen Gestaltung ist die Einbeziehung von Pflanzen aller Art. Blühende, hohe Stauden wie Fackellilie (Kniphofia), Palmlilie (Yucca) und Hohe Fetthenne (Sedum) sind genauso verwendbar wie sukkulente, wasserspeichernde Polsterpflanzen: Allen voran Mittagsblumen (Delosperma), Hauswurz (Sempervivum) und dutzende Arten und Sorten von niederliegenden, kriechenden Fetthennen (Sedum).

Etliche Halbsträucher bringen Struktur in die Szene. Dazu gehören Gewürzpflanzen wie Rosmarin und Lavendel genauso wie die Blauraute (Perovskia), Bartblume (Caryopteris) und Zistrose (Cistus). Weitere Gehölze gehören den Nadelgehölzen an. Dabei denke ich vor allem an Wacholder und Föhren, die in einer grossen Artenfülle erhältlich sind und besonders mit den attraktiven Zwergsorten ideal für Steingärten sind. Nicht zuletzt eignen sich auch die meisten Ziergräser für solche Zwecke.

Der Stein macht’s

Mit Hilfe der Steine werden gebirgige oder alpine Situationen nachempfunden. Kiesbeete lassen sich eher mit Ausschnitten aus Wüstenlandschaften vergleichen. Hier lassen sich sogar winterharte Kakteen halten. Beim Aufbau der Steinareale ist besonders auf einen guten Wasserabfluss zu achten. Je nach Geschmack und optischer Ausrichtung werden verschieden grosse Gesteinsstücke verwendet. Das reicht von tonnenschweren Felsbrocken oder Findlingen, über kopfgrosse Flusssteine bis hin zu Kies und Sand.

Anpassung ist wichtig

In solchen Trockenformationen wachsen vor allem Pflanzen, die von Natur aus steinigen-sandigen Boden dem fetten Humus vorziehen, also sogenannte petrophile Pflanzen. Alle diese Gewächse haben sich den schwierigen Bedingungen angepasst. Einige indem sie ganz auf Blätter verzichten wie die Kakteen, andere indem sie wasserspeicherndes Blattwerk entwickelten wie der Hauswurz. Wiederum andere überziehen ihre Blätter mit einer silbernen Haarschicht wie der Lavendel oder bilden ihre Blattoberfläche lederartig aus, sodass diese weniger Wasser verdunstet. Die vielen Arten von Blumenzwiebelpflanzen sind ebenfalls eine Anpassung an solche Extremstandorte.

Eine Welt für häufige und seltene Tiere

Wo Blüten sind, sind auch Insekten anzutreffen! Bienen, Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge geben sich auf den sonnendurchfluteten Flächen ein dauerndes Stell-dich-ein. Besonders schützenswert sind die Wildbienen, von denen einige Arten sogar unmittelbar auf das Vorhandensein von sonnenbeschienen Steinen und Sandflächen angewiesen sind. Als Beispiel diene uns die Mörtelbiene: Sie baut aus Lehm, Sand und Speichel tönnchenartige Nester, die an kleine Urnen erinnern. Nach dem Eintragen von Blütenpollen legen sie bis zu 5 Eier hinein und verschliessen die Tonne. Sie sind ausschliesslich auf oben beschriebenen Flächen zu finden und dementsprechend selten.
Aber nicht nur Insekten schätzen solche Gärten: Eidechsen sind angewiesen auf Unterschlupfmöglichkeiten unter Steinen und suchen sich bei den ersten Sonnenstrahlen einen Platz wo sie sich an der Sonne aufheizen können.

Bau und Pflege eines Steingartens

Die Fläche welche einen Steingarten aufnehmen soll muss gut vorbereitet werden. Als erstes wird die vorhandene Humusschicht entfernt. Zusätzlich achte man darauf, dass alle Wurzelunkräuter wie Winden, Schnürgras, Schachtelhalm und Disteln entfernt werden. Auf dem zurückbleibenden Rohboden wird grossflächig ein Drainagevlies, am besten ein sog. «Bändchengewebe» verlegt. Ganz, ganz wichtig: Das Vlies muss ausgezeichnet wasserdurchlässig sein um Staunässe zu vermeiden. Auch muss die ganze Fläche ein Gefälle aufweisen um den Abfluss von Regenwasser zu gewährleisten. Die Anlage sollte wenn möglich nach süd-südwest angelegt sein, sodass genügend Sonnenschein und Wärme dazu kommt.
Als erstes werden die grossen Brocken positioniert. Je nach Fläche und Neigung muss darauf geachtet werden, dass die schweren Steine nicht wegrollen und Menschen oder Tiere gefährden können. Als weiterer Schritt wird bestimmt wo Kies, Geröll, Schotter oder Sand platziert wird.
An ausgewählten Stellen planen wir nun unsere gewünschten Pflanzen ein. Grössere Sträucher und Blütenstauden benötigen etwas zusätzliche Erde um den Wurzelballen. Darum müssen wir etwas Rohboden ausheben. Es wird ein kreuzweiser Schnitt in das Vlies gemacht und darunter Rohboden durch Humus ersetzt. Nach dem Setzen schlagen wir die vier «Ohren» wieder nach innen um dadurch ein Aufkommen von Unkraut zu verhindern. Das Vlies wird danach wieder mit Kies bedeckt. Für kleinere Pflanzen reicht es, nur an der Stelle etwas Kies oder Steine wegzuschieben, wo etwas gepflanzt wird. Schnitte in das Vlies machen wir hier nicht. Aller freiliegender Humus wird sorgfältig mit Kies abgedeckt. Eine weitere Version von Kiesgärten sind sogenannte «Ruderale Flächen». Hier siedeln wir vorwiegend einheimische Pflanzen an, die auf offenen, freien Flächen wachsen. Dazu gehören Klatschmohn, Flockenblume, Karde, Schafgarbe und Wiesensalbei. Ruderalflächen werden öfters von der öffentlichen Hand entlang von Strassen oder in Verkehrsteilern gemacht. Der Bodengrund besteht hier meist aus dem sogenannten «Kies ab Wand» oder Strassenkies. Humus wird keiner aufgebacht.
Steingärten, Alpinen und Kiesgärten sind nicht einfach zu pflegen! Wollen Sie sich also einen solchen Gartentyp anlegen um Arbeit zu sparen, kann ich Ihnen nur davon abraten. Sie brauchen genauso viel oder genauso wenig Pflege wie normale, schöne Staudenrabatten. Zwischen den Steinen und im Kies siedeln sich schnell Unkräuter an, deren Samen vom Wind herangeweht werden. Dabei kann es sich vor allem um Gehölze wie Ahorn und Eschen handeln, aber auch um lästige Unkräuter wie Disteln, Löwenzahn und ähnliches mit fallschirmartigen Samenständen. Regelmässiges Auszupfen ist sehr wichtig, sonst sieht die Fläche schnell wie ein Unkrautfeld aus. Auch versteckt sich eine Unmenge von Herbstlaub zwischen den Steinen und dieses ist nur manuell herauszulesen.

Näheres Lesen Sie in der Ausgabe 3/17.

Text und Bilder: Bert Stankowski

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